SG 38-Fliegen auf der Wasserkuppe – ein Erlebnisbericht

Am Wochenende vom 13.09 bis zum 15.09 hat sich ein Teil unserer Jugendgruppe zusammen mit einigen freiwilligen Helfern zum SG 38-Fliegen auf der Wasserkuppe aufgemacht.

Auf dem heiligen Berg werden wir vom OSC herzlich empfangen und dürfen erst einmal in der Halle herumschnurksen und alte Flieger schauen. Einiges Interessantes ist natürlich dabei und gerade Sander und Patrick sind voll in ihrem Element. Dann bekommen wir eine Sicherheitseinweisung und die Einführung in die zahlreichen Regeln zum Flugbetrieb, ein Verstoß wird stets mit einem Kasten bestraft.

Nun geht es auch schon ans Aufrüsten. Raphael muss als erster ran und die Steuerseile spannen. Dann ziehen und heben wir gemeinsam das Flugzeug aus der Halle und auf den Anhänger des kleinen Traktors. David nimmt schon einmal Platz auf dem Holzbrett (das Höhenruder muss manuell gezogen gehalten werden) und wir folgen, unserem Schicksal ergeben, dem Gespann auf das Flugfeld. Hier bauen wir fürs Erste gegenüber der Gleitschirmfliegerschule auf, die aber auch schon am Zusammenpacken ist.

Der Startplatz ist schnell fertig hergerichtet. Ein Windsack und eine Startmatte, die mit Heringen am Boden befestigt wird. Da wir alle zum Fliegen kommen wollen, werden wir den SG 38 nicht direkt den Berg runterschießen, sondern nur einen geringen Teil der Steigung nutzen. Aaron und Oli vollführen den Seiltanz, bei dem das Gummiseil ausgelegt wird. Wichtig dabei ist, dass dieses nicht auf dem Boden schleifen darf. Noch schnell die Einteilung in Start- und Haltemannschaft, dann sind wir startbereit.

Den ersten Start macht unser Fluglehrer, um seine Lizenz aufrechtzuerhalten. Schon beim ersten Ausziehen des Seils wird klar: Das hier wird anstrengend. Echter Luftsport halt. Wir beginnen zudem noch mit den schwersten Piloten. Zum Glück hat man nach jedem Start eine Pause, um wieder zu Kräften zu kommen.

Als der Wind dreht, drehen auch wir die Startrichtung. Nun haben wir einen tollen Blick auf das Radom und die am gegenüberliegenden Hang fliegenden Modellflieger und Gleitschirme. Und während der SG 38 einen 20 Sek. Hüpfer nach dem Anderen macht, gehen über uns F-Schlepps raus und Segelflieger kreisen in der Thermik. Schon klar, dass bei der ganzen Aktion in der Luft die Köpfe ständig im Nacken liegen und man das Gummiseil auch mal erst knapp vor dem Schleifen wieder straff aufnimmt. Und doch helfen alle mit. Nicht nur, dass es sonst nicht klappen würde, sondern auch, dass wir immer wieder versuchen jedem den bestmöglichen Start zu ermöglichen. „Alle an einem Strang ziehen“ lautet die Devise. So rekrutieren wir ab und an sogar Touristen, um uns müde Gummihunde ein wenig zu unterstützen und schieben für spontan eingesprungene Segelflieger auch einen zusätzlichen Start ein.

Als es am Abend Zeit für die Jugendherberge wird, packen wir unser ganzes Zeug wieder ein und kehren zurück zur Halle.

Uns erwartet ein schöner Abend in der Jugendherberge Gersfeld, der allen in Erinnerung bleiben wird. Gersfeld: der Ort an dem sich Modell- und Segelflieger gute Nacht sagen.

Am nächsten Tag führen wir die Liste da fort, wo wir am Abend aufgehört haben – mit den leichtesten. Ausgeruhte Gummihunde (vom Muskelkater mal abgesehen), starker Gegenwind und das geringe Gesamtgewicht ermöglichen die in unseren Augen „spektakulären“ Ausklinkhöhen. Die ersten Starts dauern tatsächlich etwas über 20 Sek..

Als Pilot sitzt man auf dem Brett mit Rückenlehne, festgeschnallt, die Füße auf den Pedalen. Zu beiden Seiten gehen die Steuerseile weg, auf die man beim Auf- und Absteigen achten muss. Der Fluglehrer hält die Fläche und gibt Dir durch, in welcher Position das Höhenruder neutral steht. Erinnert noch einmal daran, bei diesen Wetterbedingungen nicht zu ziehen, denn die Fahrt bekommt man nicht wieder und fragt dann „Haltemannschaft fertig?“. Von hinten kommt ein einiges „Fertig!“. Nächste Frage: „Startmannschaft fertig?“ – Prompte Antwort aus 20 Kehlen: „Startmannschaft fertig!“. Jetzt wird langsam ausgezogen. Ich schaue auf das Seil, den kleinen gelben Ball, der die Spannung angibt, die 20 von hier aus kleinen Menschen die vor mir an dem Seil ziehen. Auf das Kommando von meiner linken Seite aus: „Laufen!“, ertönt ein Kampfgeheul und die Mannschaft rennt mit dem Seil los. Das Flugzeug knarzt. Alles scheint langsamer zu verlaufen, da lässt die Haltemannschaft schon los und das Flugzeug schnalzt mit mir nach vorne. Wind im Gesicht. Der Boden krümmt sich unter mir weg. Rechts von mir das Radiom. In unerreichbarer Ferne, denn trotz dem Gefühl so unfassbar hoch zu sein, geht es schon wieder abwärts. Sofort nachgedrückt leite ich den Schulgleiter auf das Landefeld. Er rutscht noch ein Stück auf der Kufe und kippt dann langsam zu einer Seite weg. Vollkommen geflasht sitze ich, mit einem Fuß abgestützt, auf dem zur Ruhe gekommenen Flugzeug. Ein Flug, von außen eher unspektakulär, vom Flugzeug aus ein super Erlebnis.

Als wir an diesem Abend durch sind, alle haben ihre drei Starts bekommen, sind wir uns sicher: Dieser Ausflug ist eine Wiederholung wert!

Text: M. Aldenhövel, Bilder: S. Singer und andere (acbh)